20.08.2026

FVH warnt vor falschen Prioritäten im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz

Holzenergieverband fordert realistische LULUCF-Ziele und klare Priorität für den Ersatz fossiler Energien im Wärmebereich

Berlin, 20. August 2026. Der Fachverband Holzenergie (FVH) im Bundesverband Bioenergie e.V. kritisiert im Entwurf zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK), dass zentrale energie- und klimapolitische Realitäten nicht ausreichend berücksichtigt werden. Insbesondere fordert der Verband die Anpassung der im Landnutzungssektor vorgesehenen Klimaziele für CO2-Senken an realistische Projektionen und eine stärkere Berücksichtigung des Ersatzes fossiler Energieträger durch nachhaltige Holznutzung als Beitrag zum Klimaschutz.

Die Senkenleistung von Wäldern hängt, im Gegensatz zu dem direkt steuerbaren Umbau der Energieversorgung, stark von Klima- und Wetterextremen, Dürre, Kalamitäten und Altersstruktur der Bäume ab. Die Bundeswaldinventur IV zeigt, dass die Senkenleistung des Waldes unter diesen Bedingungen deutlich zurückgeht. „Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss die begrenzte Steuerbarkeit natürlicher Senken anerkennen und zugleich dort handeln, wo Klimaschutz sofort wirkt: beim Ersatz fossiler Energien“, erklärt Gerolf Bücheler, Geschäftsführer des FVH. „Statt unrealistische LULUCF-Ziele immer weiter fortzuschreiben, braucht es eine ehrliche Debatte über erreichbare Ziele und wirksame Maßnahmen. Nachhaltige Holzenergie leistet einen unverzichtbaren Beitrag, um Kohle, Öl und Gas schnell zu ersetzen.“

Besonders kritisch bewertet der FVH die Ausführungen im Themenbereich „Wälder und Holznutzung“. Zwar erkenne der Entwurf die Bedeutung von Wald, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung sowie die Substitutionswirkung von Holz grundsätzlich an. In den vorgeschlagenen Maßnahmen bleibe jedoch unberücksichtigt, dass Deutschlands Energieversorgung weiterhin überwiegend auf fossilen Energieträgern basiert und noch rund 80 Prozent des Primärenergieverbrauchs auf Kohle, Öl und Gas entfallen.

Der Verband warnt insbesondere davor, erneuerbare Wärmelösungen gegeneinander auszuspielen. „Es macht fassungslos, wie man bei einem Anteil von lediglich 6 Prozent erneuerbarer Wärme in der Industrie auf die Idee kommen kann, die „Substitution der holzbasierten Wärmeproduktion“ in diesem Bereich zu fordern, anstatt möglichst schnell fossile durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Dies zeigt eine gefährliche ideologische Verblendung in Teilen der Regierung in Bezug zur Holzenergie: Solche Ideen festigen den Verbrauch und damit den Import von Öl und Gas - völlig ungeachtet von Kriegen und Krisen” so Bücheler. Entscheidend sei, fossile Wärmeerzeugung ambitioniert durch erneuerbare Lösungen zu ersetzen.

Zudem empfiehlt der FVH, bei dem geplanten „Runden Tisch zur Energie- und Wärmewende“ auch die zuständigen Ministerien für Wirtschaft und Energie, Bauen sowie Land- und Forstwirtschaft einzubeziehen und Empfehlungen zu entwickeln, deren klares Ziel die schnelle Substitution fossiler Energien im Energie- und Wärmebereich sei. Ansonsten sei der Runde Tisch den Namen nicht wert, so Bücheler.

Der FVH kritisiert außerdem die geplante Anpassung des Rechtsrahmens für Biomassekraftwerke. Die Umrüstung von Kohlekraftwerken bereits ab einer Leistung von 5 MW zu vermeiden, erscheine willkürlich gewählt und verkenne den Beitrag von Holzenergie zur Defossilisierung, erklärt der FVH-Geschäftsführer. „Gerade im Leistungsbereich um 5 MW, wie er beispielsweise in Wärmenetzen oder in der industriellen Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt wird, lassen sich Anlagen nachhaltig aus regional anfallenden Holzsortimenten versorgen. Diese Heizwerke und Heizkraftwerke leisten nicht nur einen Beitrag zur Substitution fossiler Energien, sondern auch zur Inwertsetzung stofflich nicht nutzbarer Holzsortimente und zur regionalen Wertschöpfung. Statt entsprechende Umstellungen zu erschweren, sollten Biomasseanlagen zur Wärmeerzeugung oder mit Kraft-Wärme-Kopplung gezielt über Förderprogramme unterstützt werden“ so Bücheler abschließend.

Die Stellungnahme des FVH zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz steht unter folgendem Link zur Verfügung. 

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