15.12.2015

Keine Energiewende ohne Wärmewende

In einer hochrangig besetzten Holzenergie-Tagung an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) wurden die großen Potentiale Holzenergienutzung zur Bewältigung der gewaltigen Herausforderungen der Energiewende eingehend erörtert und die einseitige Fokussierung auf den Stromsektor kritisiert.

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland und Baden-Württemberg ist beachtlich. Der Fortschritt der Energiewende wird allerdings bei weitem überschätzt! So liegt der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergie-verbrauch bei etwas mehr als 10 %. D.h. 90 % des Weges stehen noch bevor. Ein wesentlicher Teil dieses Weges kann nur durch die Nutzung der Bioenergie beschritten werden. So trägt derzeit allein die Holzenergie knapp 50 % zur Endenergiebereitstellung aus erneuerbaren Energiequellen bei.

Der öffentliche und politische Fokus liegt zu sehr auf dem Strom-Sektor der am Endenergieverbrauch ungefähr einen Anteil von 25 % hat. Demgegenüber wird der Wärmesektor mit einem Anteil von 50 % vernachlässigt. Die Energiewende wird deshalb ohne eine Wärmewende und vor allem ohne die Holzenergie nicht erfolgreich sein können.

Vor diesem Hintergrund diskutierten Vertreter aus Industrie und Wissenschaft im Rahmen der Holzenergie-Tagung Baden-Württemberg über aktuelle Themen der Holzenergiebrache. Dabei wurde deutlich, dass es für die weitere Entwicklung der Holzenergie in Baden-Württemberg ausreichend Holzbrennstoffe gibt. Es müssen allerdings neue Sortimente entwickelt und zielstrebig erschlossen werden. Bei anderen Sortimenten muss darauf geachtet werden, dass durch einseitig orientierte Zertifizierungsmaßnahmen, das bisher für die Energiewende zur Verfügung stehende Holz nicht dem Markt entzogen wird. Heimisches Holz welches nicht genutzt wird, wird durch die fossilen Energieträger Öl und Gas aus ökologisch und politisch unsicheren Gegenden der Welt ersetzt werden.

Die sukzessive Verschärfung der Emissionsgesetzgebung für Feuerungen aller Größenklassen stellt kontinuierlich neue Anforderungen an den Bau und Betrieb von Feuerungs-anlagen. Dies betrifft den Kaminofen genauso wie das Holzheizkraftwerk. Dadurch ergeben sich sowohl technische als auch ökonomische Herausforderungen. Die technischen Herausforderungen können von den Herstellern und Betreibern von Anlagen, unterstützt von der Wissenschaft, gemeistert werden. Hier bietet z.B. die rechnergestützte Feuerungsmodellierung neue Möglichkeiten. Wichtig ist jedoch die Unterstützung der Politik und der Öffentlichkeit.

Erste gute Ansätze wie z.B. die Perspektiven zur Weiterentwicklung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sind erkennbar. Weitere Ansätze gibt es im Bereich der Unterstützung für den Bau von Solarthermischen Großanlagen in Kombination mit Holzheizwerken.Dies ist ein für die Energiewende wichtiger Aspekt. Es gilt nämlich alle zur Verfügung stehenden erneuerbaren Ressourcen zu nutzen und diese, nach Möglichkeit über die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr, zu kombinieren.



Kontakt:
Holzenergie-Fachverband Baden-Württemberg e.V. (HEF)
www.holzenergie-bw.de
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR)
www.hs-rottenburg.de
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